Gewalt an Schulen: Wenn das Klassenzimmer zum Brennpunkt wird
Es ist ein Thema, das uns alle angeht, aber oft hinter verschlossenen Türen bleibt. Eine aktuelle, repräsentative forsa-Befragung unter 1.311 Schulleitungen in Deutschland bringt nun Licht ins Dunkel – und die Ergebnisse sind ein echter Weckruf für unser Bildungssystem.
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht vom November 2024:
Der Trend zeigt nach oben – und zwar leider in die falsche Richtung
Die Wahrnehmung in den Schulleitungsbüros ist eindeutig: 60 % der Befragten geben an, dass Gewalt an ihrer Schule (physisch, psychisch oder Mobbing) in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. Besonders alarmierend ist die Situation an Haupt-, Real- und Gesamtschulen, wo sogar 74 % eine Zunahme beobachten.
Gewalt gegen Lehrkräfte: Kein Randphänomen mehr
Lehrkräfte werden immer häufiger selbst zur Zielscheibe. In den letzten fünf Jahren kam es an den Schulen zu folgenden Vorfällen gegen das Personal:
- 65 % berichten von direkten Beschimpfungen, Drohungen oder Beleidigungen.
- 36 % erlebten Diffamierungen oder Belästigungen über das Internet.
- 35 % meldeten sogar körperliche Angriffe auf Lehrkräfte.
Besonders bitter: Fast die Hälfte der Schulleitungen (47 %) empfindet das Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“ in Deutschland noch immer als ein Tabu-Thema.
Wer sind die Akteure?
Die Gewalt kommt aus verschiedenen Richtungen, wobei die Rollenverteilung je nach Art der Gewalt variiert:
- Psychische Gewalt: Hier führen oft die Eltern (79 %) die unrühmliche Statistik an, dicht gefolgt von Schülerinnen und Schülern (66 %).
- Physische Gewalt: Diese geht fast ausschließlich (97 %) von Schülerinnen und Schülern aus.
Prävention: Was Schulen wirklich brauchen
Fragt man die Schulleitungen, was effektiv gegen Gewalt hilft, stehen administrative Zertifikate ganz unten auf der Liste. Ganz oben stehen stattdessen:
- Angemessene Personalausstattung (79 %).
- Kooperationen mit der Polizei (77 %).
- Multiprofessionelle Teams (75 %).
Warum Unterstützung oft scheitert
Obwohl sich die Mehrheit der Schulleitungen bemüht, betroffene Kollegen zu unterstützen, gibt es massive Hürden:
- Uneinsichtige Beteiligte: 74 % der Schüler zeigen sich nach Vorfällen uneinsichtig.
- Mangelnde Kooperation: 71 % der Eltern arbeiten bei der Klärung nicht mit.
- Bürokratie-Monster: Fast jede zweite Schulleitung (49 %) empfindet die Meldung von Vorfällen als zu zeitaufwendig und bürokratisch.