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08.01.2026

Das Deutsche Schulbarometer 2024: „Momentaufnahme eines kranken Systems“

Während die forsa-Umfrage der Schulleitungen bereits Alarm schlug, verdeutlicht das aktuelle Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung die Perspektive derer, die täglich im Klassenzimmer stehen: die Lehrkräfte. Die Ergebnisse zeigen ein Bildungssystem am Limit, in dem Gewalt und Überlastung zum Alltag gehören.

Die Kernergebnisse im Überblick

Die repräsentative Befragung von über 1.600 Lehrkräften zeichnet ein deutliches Bild der aktuellen Herausforderungen:

  • Gewalt als Alltagsphänomen: Fast jede zweite Lehrkraft (47 %) berichtet von Problemen mit psychischer oder physischer Gewalt unter Schülern an der eigenen Schule.
  • Brennpunkt soziale Lage: Schulen in sozial benachteiligten Lagen sind signifikant stärker von Gewaltvorfällen betroffen.
  • Erschöpfung pur: Mehr als ein Drittel der Lehrkräfte fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft. Besonders betroffen sind junge Lehrkräfte, Frauen und Personal an Grundschulen.

Warum das System unter Druck steht

Die Studie benennt klare Ursachen für die angespannte Lage. Es ist nicht nur die Gewalt an sich, sondern das gesamte Umfeld:

  1. Massiver Personalmangel: Dies ist für die meisten Lehrkräfte das dringendste Problem. Der Mangel führt dazu, dass Belastungen nicht mehr abgefangen werden können.
  2. Infrastruktur-Stau: Marode Schulgebäude und eine lückenhafte digitale Ausstattung erschweren den Arbeitsalltag zusätzlich.
  3. Herausforderung Inklusion: Die wachsende Heterogenität der Schülerschaft überfordert viele. Die Hälfte der Lehrkräfte sieht Inklusion kritisch – oft, weil die nötige Qualifizierung und Unterstützung fehlen.

"Wir sehen in den Ergebnissen die Momentaufnahme eines kranken Systems."Dr. Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung


Werte statt nur Wissensvermittlung?

Interessant ist der Blick auf den Bildungsauftrag. Angesichts der Konflikte fordern mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte, dass die Vermittlung sozialer Kompetenzen (Empathie, Eigenverantwortung) und gesellschaftlicher Werte (Respekt, Demokratiefähigkeit) wichtiger ist als reine Wissensvermittlung.

Fehlende Feedback-Kultur

Ein überraschender Aspekt der Studie: Deutsche Lehrkräfte sind oft „Einzelkämpfer“.

  • Jede vierte Lehrkraft hat im letzten Jahr überhaupt kein Feedback zur eigenen Arbeit erhalten.
  • Gegenseitige Hospitationen oder ein systematischer Austausch finden im internationalen Vergleich viel zu selten statt.

Fazit: Ein Viertel will hinschmeißen

Die vielleicht alarmierendste Zahl: Jede vierte Lehrkraft würde den Schuldienst sofort verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätte. Das zeigt: Um den Lehrerberuf attraktiv zu halten und die Gewaltspirale zu stoppen, reicht es nicht, nur an kleinen Stellschrauben zu drehen. Es braucht eine Entlastung beim Personal und eine echte Kultur des gemeinsamen Lernens und Unterstützens.

Den kompletten Bericht der Robert Bosch Stiftung finden Sie hier (PDF-Format)

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